In Allgemein, Leben mit Hund

Wenn der Wind die Richtung ändert…

Vermutlich befanden sich alle schon mal in einer ähnlichen Situation. Plötzlich rüttelt es am eigenen Schiffchen im sicheren Alltagshafen so gewaltig, dass man kaum noch weiß in welche Richtung man blicken soll, ohne Meter hohe Wellen zu sehen. Doch was ist in dieser Situation mit den Hunden? In dem heutigen Artikel geht es um eine sehr persönliche Seite in meinem Leben, die Veränderung.

Eigentlich ist es in meinen Augen ein Teil des Lebens, dass wir uns verändern, der Alltag, die Lebensumstände, Ziele und Wünsche. Alles sind nur viele, kleine Teile die am Ende des Tages zu einem Großen und Ganzen werden. Dinge die uns und unsere Leben prägen. Es gibt wenige Konstante. Im Leben eines Hundebesitzers sind es ganz klar die Vierbeiner. Selbstverständlich verändern auch sie sich, sie passen sich uns an, sie werden auch mal krank, alt und irgendwann verlassen sie uns auch wieder. Was aber, wenn es bei einem selbst so kräftig ruckelt, dass man ganz kurz die Besinnung verliert? Die Verantwortung für die Tiere bleibt, so viel ist klar, aber wie kann ich es gewährleisten, dass ich für meine Hunde immer so funktioniere wie sie es brauchen? Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen, dass es nicht möglich ist. Ich selbst habe gerade eine sehr turbulente Zeit hinter mir, stecke in gewissen Teilen auch immer noch mitten drin und Leidtragende sind meine Hunde. Nicht, dass es ihnen schlecht gehen würde, nein. Aber sie sind doch deutlich adäquatere Auslastung gewohnt. Möglichst regelmäßig bekommen sie von mir das, was sie am liebsten haben. Training, Tricks, Ausflüge, Besuche. Kurz, einfach Abwechslung. Seit einigen Monaten bin ich nun allerdings so sehr mit mir und meinem Leben beschäftigt, dass meine Fürsorge für meine Hundemädchen doch sehr darunter gelitten hat. Im Berufsleben ist eine ganz neue Verantwortung aufgetaucht, die ich sehr gewissenhaft und mit einer großen Leidenschaft nachgehe. Deshalb passiert es fast täglich, dass unsere Sekretärin mit den Hunden raus geht. Ja, sie geht mit ihnen raus. Sie löst hinter der Flutmauer die Leinen und geht merhmals täglich eine halbe Stunde spazieren. Dabei dürfen die Mädchen machen was sie wollen, durchs Gebüsch sausen, sich die Pfoten aufschlitzen, andere Hunde anpöbeln, halt alles, was man mit mir nicht darf. Die Konsequenz die ich daraus nun zu tragen habe? Keine, auch wenn es eigentlich so unglaublich viel ist. Cassy ist allerdings ein absoluter Verlasshund. Sie würde immer alles für mich tun, sie hält mir tapfer die Pfote hin und auch wenn es mir schlecht geht, weicht sie nicht von meiner Seite und gibt mir immer das Gefühl, dass sie für mich da ist. Das mag kitschig klingen, ist es vielleicht auch, aber mir gibt es gerade in schwachen Momenten sehr, sehr viel. Leyla hingegen hat noch den jugendlichen Schalk im Nacken. Sie ist so mit sich selbst, ihrer Umwelt und ihrer Verrücktheit beschäftigt, dass sie es kaum merkt wenn ich nicht so für sie da sein kann, wie sie es eigentlich bräuchte. Deshalb merke ich bei ihr auch deutlicher, dass ich nachlässig bin. Tricks, die wir vor ein paar Monaten übten und die besonders gut klappten, klappen heute plötzlich gar nicht mehr. Sie guckt mich aus ihren zweigeteilten Augen an und weiß nicht was ich von ihr will. Dieser Augenblick hat mich vorhin auch dazu gebracht, diesen Artikel hier zu schreiben. Fast noch in der selben Sekunde, als sie mich fragend ansah, überkam mich mein schlechtes Gewissen. Die Zweifel, ob ich mich mit zwei Hunden nicht doch übernommen habe. Wie ich mich selbst geordnet kriege, dass die Hunde wieder einen größeren Raum haben. Natürlich, sie sind immer dabei, aber wenn der Kopf voller Sorgen ist, dann bleibt einfach kein Platz für „Gib’ Pfote!“ oder „Männchen!“, auch wenn diese Trickserei vermutlich eine wunderbare Ablenkung wäre. Ich musste mir diese Schwäche eingestehen. Heute. Am Strand, an unserem letzten Urlaubstag. Ja, meine Hunde waren in den letzten Monaten reine Beifahrer in meinem Leben und ja, ich möchte daran etwas ändern. Allerdings weiß ich auch, dass sie es mir niemals übel nehmen. Nie. Sie lieben mich bedingungslos. Ist es vielleicht genau das, was die Beziehung zu seinen Hunden ausmacht? Bedingungslosigkeit? Sie durchstehen mit einem die wüstesten Zeiten und am Abend sitzen sie neben einem, inhalieren zufrieden ihr Abendbrot und liegen anschließend sanft schnarchend in ihrem Hundebettchen. Ein eindeutigeres Zeichen für: „Lass mal alle fünfe gerade sein, Frauchen!“ gibt es doch eigentlich gar nicht. Meine Hunde haben mich also wieder eines gelehrt. Sie sind immer da, sie sind nicht nachtragend und ertragen alles still. Sie tun es, weil sie mich lieben. Ihnen geht es gut, solang sie in unserer Nähe sein können, solang sie unsere Nähe spüren dürfen, solang sie ihr Futter haben. Alles andere ist für sie vermutlich genau so viel Luxus wie es auch für uns ist. Heute, in einer Zeit wo die Zeit das Wertvollste ist, was wir besitzen.

Danke an meine aller liebsten Hundekinder, dass ihr mich so nehmen könnt, wie ich gerade bin, ihr seid unglaublich!

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No Comments

  1. The Pell-Mell Pack
    1 Jahr ago

    Das hast Du toll auf den Punkt gebracht. Sie halten uns immer die Stange, komme was wolle. Und gerade diese Bedingungslosigkeit macht das schlechte Gewissen nur um so größer. Das kenne ich gut. Alles Gute euch Dreien, auf das die See bald nicht mehr so kabbelig ist.
    Liebe Grüße
    Stephie mit der Leichtmatrosin Luna und Maat Enki

    Reply
    1. pawsandpixel
      1 Jahr ago

      Vielen Dank für deine lieben Worte, Stephie.
      Das schlechte Gewissen ist immens, aber irgendwie, machen die Mädchen alles so souverän mit, dass es gleichzeitig auch wieder halb so schlimm ist.
      Alles Liebe für euch!

      Reply
  2. subwaytobea
    1 Jahr ago

    Liebe Carina, das sind so ehrliche Worte, die du da geschrieben hast. Ich finde Selbstzweifel generell gut, bei jedem, auch bei mir selbst. Sie erschaffen Stabilität und innere Kraft, weil man eben immer vorwärts geht und mit sich selbst arbeitet. Obwohl ich euch „nur“ aus dem Internet kenne, weiß ich, wie du sagst, dass deine beiden Mädels dir das nicht übel nehmen werden, weil du doch immer da bist und wenn sie bei dir sind, dann zeigst du Präsenz. Hunde leben im hier und jetzt & das ist so schön, dass wir uns eine Scheibe davon abschneiden sollten ❤️ Liebe Grüße von Beatrice und Lotti🐶❤️

    Reply
    1. pawsandpixel
      1 Jahr ago

      Aller liebsten Dank für deine warmen Worte. Seit dem ich Cassy habe, lebe ich dieses Hier und Jetzt sehr viel bewusster, allerdings macht es mir genau das auch so schwer. Ich würde viel lieber bei strahlendstem Sonnenschein in meine Schuhe springen und eine große, lange Runde mit den Mädels laufen. Stattdessen, komme ich häufig auch erst im Dunkeln Heim und hatte im Büro dann keine anständige Zeit mehr. Aber ich versuche jetzt, nach dem ich das alles etwas reflektiert habe, mir bewusstere Pausen zu nehmen. Wir kriegen das schon hin 🙂
      Ganz liebe Grüße auch an Dich! 🙂

      Reply
  3. doesjepower
    1 Jahr ago

    Wow super geschrieben😍😍 Du hast vollkommen Recht, die Hunde sind immer für uns da, leben hier und jetzt und sind glücklich damit😍 Wir wünschen Euch alles Gute! Liebe Grüße von Pauline und Aimée😘

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    1. pawsandpixel
      1 Jahr ago

      Dankeschön, ja, sie sind soo unendlich glück und dankbar, dass es einen selbst doch irgendwie glückselig macht 🙂
      Einen schönen Abend für euch!

      Reply
  4. Little Blue Heart
    1 Jahr ago

    Liebes, vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Dein Beitrag zeigt genau, in einem(Hunde) Alltag läuft eben nicht immer alles so wie man es sich wünscht. Unsere Hunde begleiten uns in schlechten wie auch in guten Zeiten, so ist das nun mal. Jeder durchläuft einmal eine Krise und wer leidet darunter? Familie, Freunde, Hunde…! Ich finde es bewundernswert, dass du darüber offen sprichst oder schreibst und ganz ehrlich zu dir selbst und auch anderen bist. Deine Mädels sind wundervoll und gehen mit dir eben durch dick und dünn, wie man so schön sagt. Sei nicht zu streng mit dir selbst, es kommen auch wieder bessere Tage. Aber genau davor habe ich auch Angst, kann ich unseren aktuellen Standard immer beibehalten? Wie geht es Nala bei allem? Ich denke, oft machen wir uns zu viele Gedanken, aber schlimmer wäre es, wenn wir uns keine Gedanken machen würden! Also Kopf hoch, du bist toll und deine Hunde sind es auch! Vielen Dank für deine ehrlichen Worte…
    Fühl dich von mir gedrückt und Nala sendet tausend Schlabberküsse :-*

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    1. pawsandpixel
      1 Jahr ago

      Danke für deine Worte, liebe Carina. Ich möchte im Internet keine Scheinpräsenz schaffen und stehe auch zu schlechten Zeiten ganz offen. Ich hoffe, dass auch werdende Hundebesitzer so schon vorher die Chance haben, mal über die Schattenseiten nach zu denken. Aber dazu wird noch ein gesonderter Artikel folgen.
      Du hast Recht, einerseits machen wir uns viel zu viele Gedanken, aber andererseits macht uns das vermutlich auch aus, uns und unsere Beziehung zu unseren unglaublich tollen Fellnasen 🙂
      Ich drück dich zurück 🙂

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