In Allgemein, Cassy und Leyla, Leben mit Hund

Zwei Hunde im Alltag

Wie in meinem letzten Artikel Zweithund? Warum? Darum! angekündigt, habe ich noch einen zweiten Artikel zum Thema zwei Hunde im Alltag geschrieben. Hier berichte ich von meinen Erfahrungen im Alltag und Handling mit zwei Hunden. Bevor Leyla bei uns einzog, habe ich mich regelmäßig gefragt wie sich der Alltag mit zwei Hunden wohl unterscheiden würde? Jetzt nach einem Jahr kann ich sagen, dass es nur Kleinigkeiten sind die einem auffallen, allerdings nichts was mich jemals davon abhalten würde, zwei Hunde zu halten. Ich habe den Bericht in unterschiedliche Themen unterteilt, damit es für euch etwas übersichtlicher wird.

Erwachsener Hund + Welpe

Am Anfang und mit dem Welpen an der Seite eines Erwachsenen Hundes, war es tatsächlich ganz schön ungewohnt. Das Hundebaby durfte nur wenige Minuten am Tag die Welt erkunden und konnte natürlich noch keine Stunde am Tag allein bleiben. Also vergingen viiiele Kilometer auf denen ich Leyla auf dem Arm getragen habe. Gott sei Dank war sie ein Fliegengewicht, aber auch dieses Fliegengewicht wird auf Dauer irgendwann schwer.

Ich hatte das große Glück und konnte die getrennten Spaziergänge regelmäßig in meiner Mittagspause im Büro erledigen. So war der Welpe nicht alleine und ich konnte Cassy adäquat auslasten. Ich finde es besonders wichtig, ausreichend getrennte Zeit mit den Hunden zu verbringen. Jetzt im nachhinein weiss ich, dass ich definitiv noch öfter alleine mit Leyla hätte losgehen müssen. Sie orientiert sich sehr an Cassy und meine Vermutung, dass sie mehr auf mich achten würde, wenn ich öfter allein geübt hätte, bestätigt sich eigentlich immer dann, wenn ich jetzt, auch mit einem Jahr alleine mit ihr laufe.

Ganz wichtig ist, dass der Ersthund kein Gefühl von Vernachlässigung bekommt. Beide Hunde sind gleichwertig zu behandeln, alles andere wäre absolut unfair. Ich weiss selbst, dass es wirklich super schwer ist. Ein Welpe braucht nun mal viel Aufmerksamkeit, allerdings darf der Ersthund nicht das Gefühl bekommen, dass er nicht mehr so wichtig ist wie vorher. Das fordert ein bisschen Fingerspitzengefühl, aber bei Menschen mit ausreichend Bindung zum Hund, dürfte das wirklich kein Problem sein.

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Training zu zweit

Ich hatte Anfangs noch etwas bedenken, wie ich später das Training mit zwei Hunden gestalten sollte. Aber es hat sich in der Praxis sehr schnell heraus gestellt, dass das problemlos funktioniert. Ganz abgesehen von dem gezielten Einzeltraining, baue ich während meiner Spaziergänge natürlich auch immer ein bisschen Gehorsamstraining oder ein paar Tricks ein. Das geht getrennt und auch zusammen. Von einem Welpen kann man natürlich nicht erwarten, dass er 5 Minuten still an einem Fleck liegt und zuguckt, aber ich habe schnell bemerkt, dass Leyla die kleinen Trickeinheiten mit Cassy sehr interessiert beobachtete und mit zunehmendem Alter auch unbedingt selbst zeigen wollte was sie konnte. Ich hatte fast das Gefühl, sie würde sich die Dinge abgucken. Jetzt, wo sie bereits ein Jahr alt ist, nehme ich immer mehr Tricks in ihrem Training hinzu. Zum Beispiel auch den Slalom durch die Beine laufen. Die Übung fand sie bei Cassy schon immer besonders spannend und so kam es, dass ihr diese Übung fast ohne Unterstützung von der ersten Sekunde an super gelang.

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Mit zunehmendem Alter hat Leyla gelernt geduldig zu warten, wenn Cassy mit ihrem Training dran ist. Eine super Übung für die Impulskontrolle und natürlich auch für eine riesen Portion Geduld.
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Auf diesem Foto macht Leyla die Übung zum 5. Mal. Meine Hilfen sind zwar noch deutlicher als bei Cassy, aber ich muss sie nicht mehr durch die Beine führen, den Weg findet sie von ganz alleine.

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Natürlich machte ich mir auch so meine Gedanken, ob Cassy vielleicht eifersüchtig werden würde. Gerade so im Training, wenn viele Leckerchen im Spiel waren, allerdings war die Sorge absolut unbegründet. Jeder bekommt seine eigene Portion Aufmerksamkeit und das hat Cassy sofort verstanden. Die Wartezeiten sind eine absolut super Übung zur Impulskontrolle, deshalb ist es auch für den wartenden Hund sehr anstrengend. Ich arbeite also immer nur ganz kurze Reprisen, 2-3 Durchgänge und löse dann beide Hunde gleichzeitig mit dem Kommando „ok“ auf. Meistens drehen sie dann eine flotte Runde über die Wiese und anschließend geht es dann mit dem jeweils anderen Hund weiter.

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Am liebsten trainieren wir aber zu dritt 🙂 Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

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Spaziergänge und Probleme

Cassy ist ein sehr gehorsamer Hund. (Ich weiß, ich wiederhole mich) In ihrem zweiten Lebensjahr war sie schon sehr sicher im Alltag und auf Spaziergängen, trotzdem gab es hin und wieder einen kleinen Ausrutscher. Wenn die damalige beste Freundin zu sehen war und ich mir z.B. gerade die Nase putzen musste, nutzte sie den kleinen Moment der Unaufmerksamkeit und ist mir entwischt und zu ihrer Freundin geflitzt. Heute würde sie niemals an der Leine ziehen, einen anderen Hund ankläffen oder ungefragt zu fremden Menschen laufen und sich von mir entfernen. Trotzdem hatte ich die Befüruchtung, dass Cassy sich vielleicht auch etwas von dem neugierigen Verhalten von dem Welpen abgucken könnte. Ich gebe ehrlich zu, es ist auch tatsächlich passiert. Allerdings entwickelte sich das ganze erst jetzt, wo Leyla in einer größeren pubertären Phase steckt. Vögel sind nämlich plötzlich sehr interessant und das findet auch Cassy. Ich passe natürlich auf und lenke die Aufmerksamkeit schon bei Vogelsicht auf  mich. Klappt auch super und ich denke es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Piepmätze wieder uninteressant sind.

Wir sind alle drei keine sonderlichen Leinenfans, allerdings kommen wir nicht immer drum herum, so ist es gerade in der Brut und Setzzeit oder bei Hundebegegnungen besonders für Leyla, unerlässlich an der Leine zu laufen. Normalerweise nutze ich immer Retrieverleinen. Die sind schnell angezogen, sodass ich keine große Zeit beim anleinen verliere. Wenn die Mädels allerdings an längeren Leinen laufen, tragen sie Halsbänder. Beide Hunde fühlen sich in Geschirren absolut unwohl, weshalb ich Halsbänder bevorzuge, auch wenn das bei langen Leinen nicht die optimalste Lösung ist.

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Beim Kommando „anziehen“ strecken mir beide Mädels den Kopf entgegen.

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Besonders wichtig war es mir, dass die Hunde schnell auf die jeweils andere Seite wechseln können. Vorne und hinten rum, mit und ohne Leine. Gerade wenn man auf engen Wegen läuft und uns z.B. ein Kind auf einem Rad entgegen kommt, ist es mir wichtig, dass die beiden auf der geschützten Seite laufen und auch keine Chance habe das Kind zu beschnüffeln. Genau dasselbe mache ich auch, wenn uns Hunde oder Spaziergänger auf normalen Wegen entgegen kommen. Ich empfinde es als höflich und für alle Beteiligten am angenehmsten so. Vorne und hinten herum wechseln müssen sie übrigens, weil es beim Radfahren oder auf dem Pferd z.B. äußerst unpraktisch wäre wenn sie es nur vorne herum könnten.

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„rechts“

Meistens führe ich die beiden auf einer Seite (vorzugsweise links), es gibt aber auch immer wieder Situationen wo eine links und die andere rechts läuft. Gerade in Leylas Alter macht es sich häufig bemerkbar wie gut es ist, einen zuverlässigen Ersthund zu haben. Beim Fuß oder rechts laufen verliert Leyla häufig mal den engen Kontakt zu mir, sodass ich mit Cassy, im souveränen Fuß Zeit habe, Leyla in Ruhe zu korrigieren

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Huch, ein bisschen abgedriftet. Schnell zurück ins „rechts“.

Urlaub mit zwei Hunden

Seit dem ich Cassy habe, verreise ich liebend gerne mit Hund. Es ist einfach ein ganz besonderes Gefühl, wenn man seine Vierbeiner dabei hat und alles gemeinsam genießen kann. Ich habe ja bereits ein paar unserer Urlaubsdomizile vorgestellt. Eine Unterkunft für zwei Hunde zu finden klappte bisher auch immer ohne Probleme und ohne, dass ich große Abstriche machen musste.

Für mich ist es selbstverständlich, dass wir uns, egal wo wir sind, so unauffällig wie möglich verhalten. Gerade mit so bunten Hunden wie den Aussies, fällt man schnell auf, weshalb mir ungehorsames Verhalten gleich doppelt so peinlich wäre. Aber gerade im Urlaub möchte ich nicht negativ auffallen. Wir Hundebesitzer haben es ohnehin oft nicht so leicht, wie doof wäre es also, wenn die Hunde das Ferienhaus verwüsten, den Garten vollkoten oder die gesamte Nachbarschaft voll bellen würden. Auf Cassy und Leyla ist da Gott sei Dank absolut Verlass.

Mein Auto allerdings, ist bei einem Urlaub zu zweit mit beiden Hunden bis unters Dach gefüllt. Ich fahre einen Geländewagen und kam bei unserem letzten Urlaub ohne Dachkoffer aus, aber auch nur, weil ich alleine war. Mit zwei Personen braucht man schon einen Dachkoffer um alles zu verstauen. Was genau sich im Hundegepäck so befindet, berichte ich in einem weiteren Artikel. Der Kofferraum ist jedenfalls durch die Box der beiden Hunde belegt und ich finde nur links und rechts für Kleinigkeiten einen Platz. Ansonsten unterscheidet sich der Alltag im Urlaub mit zwei Hunden nicht von dem Zuhause. Ich verreise gerne mit beiden Mädels.

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Hundebegnungen

Ein Rudel verhält sich im Freispiel auch wie ein Rudel. Ich habe in letzter Zeit öfter beobachtet, wie Cassy für Leyla Partei ergreift oder sie maßregelt wenn sie im Spiel zu grob wird. Einerseits ist das natürlich absolut toll, andererseits eigentlich meine Aufgabe. Cassy spielt zwar mit ihr bekannten Hunden noch sehr gerne, hat bei neuen Kontakten allerdings wenig Interesse, weshalb ich sie meistens anleine. Ich möchte, dass Leyla ganz ohne Cassys Einfluss spielen oder sich behaupten kann. Hinzu kommt, dass Leyla momentan nicht ganz sorgenfrei mit anderen Hunden umgeht und häufig gerade bei größeren Hunden angst hat. Es gilt also auch hier, höchste Aufmerksamkeit vom Hundeführer. Die Phasen verändern sich gerade in jungen Jahren zusehends, weshalb es unglaublich wichtig ist, speziell auch darauf einzugehen und danach zu handeln. Angeleint sind andere Hunde für Cassy quasi nicht existent, für Leyla hingegen schon. Sie wird gefühlte zwei Meter größer, stellt einen Kamm auf und wenn ich nicht aufpasse, gibt es auch mal ein kleines „wuff“. Daran arbeite ich derzeit und bin sehr froh, dass ich mich auch in diesem Punkt auf meinen souveränen Ersthund so verlassen kann. Mit zwei unsicheren Hunden an der Leine stelle ich es mir äußerst kompliziert bis gar unmöglich vor, in solchen Situationen entsprechend zu korrigieren.

Im Haushalt

Im Haus gibt es eine Regel: Es wird nicht getobt. Maulspiele oder Zergeln erlaube ich, aber ich möchte kein wildes Gerenne und keine Rangelein. Das verstehen beide auch sehr gut. Es gibt in jedem Zimmer mehrere Möglichkeiten zum ausruhen, meistens liegen die zwei aber eh in einem Bett oder auf einer Decke, auch die Spielzeuge werden ohne Eifersucht geteilt. Für Kuscheleinheiten setze ich mich meistens auf den Boden, nur selten dürfen die Mädels aufgefordert aufs Sofa. Die Verschmutzung ist durch zwei Hunde wirklich größer als bei nur einem Hund. Es fällt die doppelte Menge an Haaren von den Hunden, die doppelte Menge an Sand und natürlich müssen auch zwei Hunde gebadet werden, wenn sie unerlaubterweise einen Köpper in den Matschtümpel gemacht haben. Wie das Bad hinterher aussieht, verrate ich euch besser nicht. Aber irgendwie ist es trotzdem alles noch im Rahmen und für mich kein Grund, auf das doppelte Hundeglück zu verzichten.

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Fütterung

Ich habe von Anfang an im selben Raum gefüttert. Jede bekommt ihren eigenen Napf auf eine Seite gestellt (die Hunde sehen sich also nicht beim Fressen) und können dann ganz ohne Futterneid ihr Fleisch aufnehmen. Bei Kauartikeln achte ich schon darauf, dass keiner beklaut wird. Cassy hat nicht immer Lust zu kauen, darum sammle ich ihre Dinge häufig ein, damit Leyla es nicht stibitzen kann. Bei kleineren Sachen, wie Pansenrollen, ist Cassy grundsätzlich in Schallgeschwindigkeit fertig, würde es aber niemals wagen Leylas Reste zu fressen. Also klappt auch dieser Punkt bei uns wirklich problemlos. Die Futterkosten doppeln sich natürlich, aber ich denke das ist klar.

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Fazit

Ich überlege krampfhaft, ob ich nicht noch irgendwelche wichtigen Punkte vergessen habe. Der Alltag mit zwei Hunden ist für mich schon nach kurzer Zeit genau so selbstverständlich gewesen, wie der Alltag mit einem Hund. Vieles ist eine Sache der Gewohnheit und einiges verlangt auch ausreichend Vorbereitung und Organisation, allerdings ist für mich weder das eine noch das andere ein sonderlich großer Aufwand. Ein nicht zu verachtender Punkt sind selbstverständlich die doppelten Kosten: Zwei Leinen (eher mehr), mehrere Betten, Näpfe, Tierarztkosten, Futterkosten. Das alles ist nicht zu verachten und variiert natürlich, ich würde wirklich empfehlen alle Kosten grob zu überschlagen, erst wenn man noch genug Geld über hat um auch noch etwas zu sparen (Was ist wenn ein Hund operiert werden muss?), sind die Finanzen kein Hindernis mehr!

Falls ich etwas vergessen habe, oder ihr noch spezielle Fragen habt, fragt mich gerne! Ich freue mich drauf!

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No Comments

  1. pia-von-holten
    2 Jahren ago

    Richtig toll geschrieben! Ich bin über einen anderen Blog auf deinen gekommen und gleich der erste Beitrag, den ich gelesen habe, finde ich wirklich toll 🙂 Und deine Fotos dazu sind auch mega passend! 🙂

    Ganz Liebe Grüße von uns dreien 🙂

    Reply
    1. pawsandpixel
      2 Jahren ago

      Vielen Dank für dein liebes Feedback, das hört man natürlich gerade in der Anfangsphase gern 🙂
      Eine schöne Woche für dich und deine Fellnasen,

      Carina und die Hundebande 🙂

      Reply
      1. pia-von-holten
        2 Jahren ago

        Dankeschön <3 Das wünsche ich euch auch 🙂

        Reply
  2. torkatalks
    2 Jahren ago

    Einfach ein wunderschöner Beitrag! Danke dafür 🙂

    Reply
    1. pawsandpixel
      2 Jahren ago

      Freut mich unglaublich, dass er dir gefällt 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Carina

      Reply

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